Kritisch betrachtet: Selbstzahlerleistungen in der Schwangerschaft
Shownotes
Die Schwangerschaft ist eine Zeit von Hoffen und Bangen. Um Gefahren für die Gesundheit von Mutter und Kind abzuwenden und Gesundheitsstörungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen viele Leistungen. Darüber hinaus gibt es ein großes Angebot an selbst zu zahlenden IGeL-Leistungen. Doch wie sinnvoll sind diese Angebote? Im Gespräch mit Dr. Antje Enekwe hinterfragt die neue Folge des IGeL-Podcast Selbstzahlerleistungen in der Schwangerschaft.
Dr. Antje Enewke ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe beim Medizinischen Dienst Bund. Als solche berät sie unter anderem den GKV-Spitzenverband vor allem beim Thema außerklinische Geburtshilfe. Enekwe erläutert, wie umfangreich die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen während Schwangerschaft, Geburt und nach der Geburt sind und auch, wo diese Leistungen geregelt sind.
Die Ärztin erklärt auch, welche individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) in der Schwangerschaft besonders häufig angeboten werden. Dazu zählen vor allem Früherkennungsuntersuchungen wie das Ersttrimester-Screening und die Nackenfaltenmessung oder Tests auf Toxoplasmose und das Zytomegalievirus. Viele Untersuchungen versprechen Sicherheit, bergen aber Risiken wie Überdiagnostik, Scheinsicherheit oder ein unklares Verhältnis von Nutzen zu Schaden, wie Enekwe am Beispiel des ß-Streptokokken-Tests verdeutlicht.
In den vergangenen Jahren sind einige wenige IGeL-Leistungen zu Kassenleistungen geworden, weil es ausreichende Belege dafür gab, dass ihr Nutzen größer ist als ihr Schaden. Beispiele sind der Pränataltest auf den fetalen Rhesusfaktor oder der Pränataltest auf die Trisomien 13, 18 und 21. Die Einführung des letzteren als Kassenleistung wirft allerdings ethische Fragen auf, weiß Enekwe und berichtet auch darüber im IGeL-Podcast.
Zu Gast in dieser Folge:
Dr. Antje Enekwe, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Medizinischer Dienst Bund
Links zu IGeL-Bewertungen:
• Akupunktur in der Schwangerschaft (wird in Kürze aktualisiert)
https://igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/akupunktur-in-der-schwangerschaft.html
• Toxoplasmose-Test bei Schwangeren (2021)
https://igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/toxoplasmose-test-bei-schwangeren.html
• Streptokokken-Test in der Schwangerschaft (2017)
https://igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/streptokokken-test-in-der-schwangerschaft.html
• Ultraschall in der Schwangerschaft (ergänzende Untersuchungen) (ohne Bewertung, da seit 2021 verboten)
https://igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/ultraschall-in-der-schwangerschaft-ergaenzende-untersuchungen.html
Weitere Informationen zu Schwangerschaft und Mutterschaft (G-BA):
https://www.g-ba.de/themen/methodenbewertung/schwangerschaft-mutterschaft/
Vielen Dank dem Londoner Künstler Ketsa: Sein Stück „Beat Stick“ ist der Jingle des IGeL-Podcast.
Transkript anzeigen
00:00:02: Der IGL Podcast.
00:00:09: Ein Podcast rund um individuelle Gesundheitsleistungen, Gespräche über Gesundheit und Geld.
00:00:28: Hallo und willkommen zur neuen Folge des IGL-Podcasts – dem Podcast für eure Gesundheit, Selbstzahlerleistung und evidenzbasierte Medizin!
00:00:35: Mein Name ist Markus Anhäuser.
00:00:37: In dieser Folge widmen wir uns dem Thema IGL Leistungen in der Schwangerschaft.
00:00:42: Es wird demnächst zwei neue Bewertungen zu dem Thema geben, aber weil das Thema generell viele interessieren wird, dachten wir uns machen gleich mal zwei Folgen.
00:00:51: Diesmal geht es ganz allgemein um das Thema – in der zweiten Folge die dann Ende September erscheint wird dreht sich alles um die beiden Bewertung.
00:01:02: Für den Überblick zum Thema haben wie immer eine Expertin eingeladen, die uns durch den Dschungel an Selbstzahlerleistungen führen wird.
00:01:10: Dies Mal ist es Antje Ennequil vom MD Bund.
00:01:13: Ich bin Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe.
00:01:17: Und ich arbeite jetzt seit zwanzig-einenundzwanzig bei medizinischen Dienstbund, und bin hier vor allem zuständig für das Thema außerklinische Geburthilfe – also alles rund um Hausgeburtshilfen, Geburtzausgeburten
00:01:31: usw.,
00:01:32: aber auch Geburzhilfe im weiteren Sinne.
00:01:36: Das ist eins meiner Themen.
00:01:37: Vor meiner Tätigkeit hier war ich in verschiedenen Krankenhäusern tätig, in unterschiedlichen Versorgungsstufen in der Schweiz und
00:01:45: Deutschland.".
00:01:46: Die Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit vor Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen.
00:01:51: Die Zeit als meine Frau mit unserer Tochter das erste Mal schwanger war, ist schon ein paar Jahre her!
00:01:56: Aber ich erinnere mich wie beeindruckt aber auch überfordert.
00:01:59: wir waren von dem Angebot dass einem von allen Seiten gemacht wird.
00:02:03: Für die Zeit der Schwangerschaft bieten die gesetzlichen Krankenkassen eigentlich schon eine ganze Menge Leistungen, die in der sogenannten Mutterschaftsrichtlinie festgelegt sind.
00:02:12: Darüber hinaus können die frei beruflichen Hebammen weitere Leistungen anbieten wie etwa Geburtsvorbereitungskurse, die im Hebam-Hilfevertrag beschrieben sind.
00:02:20: Die Muttersschaftsricht Linie – also da ist es sehr detailliert beschrieben was für Leistung zu welchem Zeitpunkt genau durch die gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, übernommen werden.
00:02:33: Da sind Screening-Untersuchungen dabei aus Blut, aus Urin, aus anderen Körpermaterialien also zum Beispiel eine Fruchtwasser-Punktion bei einer bestimmten Risikokonstellation.
00:02:46: da ist enthalten zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft diese Untersuchung stattfinden.
00:02:51: es sind aber auch Impfungen enthalten, also Impfungen werden übernommen wie zum Beispiel die Grippeschutz-Impfung oder recht neu die Impfung gegen Keuchhusen im dritten Schwangerschaftsdrittel.
00:03:05: Die Führung eines Mutterpasses über die gesamte Schwangersschaft hinweg, Anamnese, Blutgruppenbestimmung... Also das ist ein sehr großes Feld.
00:03:15: was hier alles übernomen wird auch dokumentiert wird und die Schwangere hält ja dann mit ihrem Mutterpass wieso eine kleine Ja, Krankenakte nur dass es eben keine Erkrankung ist über ihre gesamte Schwangerschaft in der Hand.
00:03:31: Und hat das auch noch wenn eine Vollgeschwangerschaft dann irgendwann eintritt?
00:03:36: Hat dann auch schon quasi unterlagen wie lief die erste Schwangershaft für die nächste Schwangersschaft?
00:03:42: also hat hier wirklich auch eine hohe Kompetenz ihrer eigenen Daten ihren eigenen Schwangerschafterlauf Geburtsverlauf und so weiter zu verwalten oder zumindest die Daten darüber und dann auch weiterzugeben.
00:03:53: Den Hinweis sollte man vielleicht tatsächlich nochmal machen, auch wenn es ein bisschen eigenartig klingt.
00:03:58: Schwangerschaft ist keine Krankheit sondern ein ganz normales biologisches Phänomen seit Millionen von Jahren erprobt in das man ruhig ein wenig Urvertrauen setzen kann.
00:04:08: aber trotzdem da die meisten ständig mit Ärztinnen und Ärzten und Krankenhäusern zu tun haben kann das schon recht einschüchtern sein vor allem wenn es die erste Schwangersschaft ist.
00:04:19: Aber zum Glück gibt's hier noch die Hebammen
00:04:22: Im Rahmen der Hebamntätigkeit.
00:04:24: vor allen Dingen steht aber auch noch die Unterstützung der Frau in diesem Lebensabschnitt, in Vorbereitung auf die Geburt durch Geburtsvorbereitungskurse, durch Stillvorbereitung und solche Sachen.
00:04:37: Durch Bratung findet das natürlich auch im ärztlichen Kontext statt.
00:04:41: Aber das ist sehr viel.
00:04:42: doch auch bei den Hebammen verortet hier eine Stärkung der Gesundheitskompetenz der Frau zu fördern.
00:04:51: Wenn man sich die Liste der Leistungen der Krankenkassen anschaut, könnte man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass das eine Menge Angebote sind im guten und sicher durch die Schwangerschaft zu kommen.
00:05:01: Doch dann bieten einem Ärztinnen- und Ärzte oder auch Hebammen einen ganzen Schwung weiterer Maßnahmen an, die einem den Eindruck vermitteln können.
00:05:10: um wirklich sicher zu sein sollte ich dieses oder jenes vielleicht auch noch machen.
00:05:15: Das sind dann die individuellen Gesundheitsleistungen, die man eben selbst zahlen muss.
00:05:21: Schwangerschaft gibt es ein großes Feld, würde ich mal sagen.
00:05:25: Igeleistung betrifft zum größtenteils Screening-Untersuchungen.
00:05:31: Das heißt Untersuchungen, die bei an sich gesunden Schwangeren schauen nach bestimmten Infektionskrankheiten wie z.B.
00:05:43: Zytomegalivirus, Toxoplasmose, Ringelröteln ... Es gibt aber auch so etwas wie das Präeklam C-Screening.
00:05:51: D.h.,
00:05:53: da kann die zwölfte Woche herumgeschaut werden, wie hoch ist das Risiko, dass die Schwangere eine Schwangerschaftsvergiftung im Laufe der Schwangersschaft entwickelt?
00:06:04: Das ist also eine Risikobrechnung.
00:06:06: letzten Endes, auch das Erstremest des Screenings ... liefert am Ende eine Risikoberechnung dafür, wie hoch das Risiko ist.
00:06:14: Dass das Kind eine Träsumee-III oder XXI hat.
00:06:20: Die Nackenfaltenmessung geht ein bisschen in dieselbe Richtung.
00:06:25: Auch dass es einen Screening ... Denn an der Stelle findet er recht früh in der Schwangerschaft statt.
00:06:32: Ist ja noch keine Erkrankungen festzustellen und die Frau selber hat ohnehin keine Erkrankungen.
00:06:37: Das betrifft dann das Kind!
00:06:38: Neben diesen Verfahren, um ein Risiko für eine Erkrankung des Kindes abzuschätzen, gibt es auch viele Leistungen, die versprechen, die besonderen Herausforderungen der Schwangerschaft für den Körper der Frau zu meistern.
00:06:49: Also zum Beispiel Schmerzen zu lindern.
00:06:51: Wie z.B.
00:06:51: Akkupunktur, die sicherlich auch sehr häufig erbracht werden und als Geburtsvorbereitung genutzt werden, um den Körper auf die Geburt besser vorzubereiten.
00:07:02: oder auch Theben das Theben ... Das ist aus dem Sport, sieht man ja ab und zu von Sportlern.
00:07:08: Dass die an irgendwelchen Gelenken oder was getebt sind.
00:07:12: Und das ist auch in der Schwangerschaft durchaus üblich, dass Schwangere sich teben lassen.
00:07:17: Denn die Schwangersschaft ... Man muss sich vorstellen, die Wasseinlagung, die Gewichtszunahme
00:07:23: usw.,
00:07:24: verändert die ganze Statik.
00:07:27: Es treten dann schon Beschwerden auf also... Ich würde jetzt aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass die allermeisten Frauen doch irgendwann auch Schmerzen sei es im Becken, im Rücken oder an anderen Stellen im Körper verspüren.
00:07:42: Und um dem entgegenzuwirken ist Tape eine Methode, die als Igelleistung angewendet werden kann.
00:07:51: Akkupressur also Nicht die Akkupunktur, wo Nadeln gesetzt werden.
00:07:56: Sondern die Akku-Press-Schuhe, wo also diese Punkte eher gedrückt massiert werden auf eine bestimmte Art und Weise ist ebenfalls eine Möglichkeit, die ich zum Beispiel auch kenne gegen Übelkeit, die aber auch gegen Schmerzen eingesetzt werden kann.
00:08:15: Also das ist wirklich ein großes Feld was auch ... Was die Information an die Schwangerin angeht, sehr heterogen ist.
00:08:26: Das heißt oftmals gibt es zu diesen Leistungen keine guten Informationen.
00:08:30: Die werden angeboten und es wird gesagt das ist gut für sie aber was da jetzt genau wie gut und wie viel besser gegenüber etwas anderem sein soll das ist ja oft gar nicht klar.
00:08:43: Damit eine leistung von den kranken Kassen übernommen wird sind strenge genau vorgeschriebene Bedingungen zu erfüllen.
00:08:49: Wir haben Sie hier im Podcast schon öfter vorgestellt.
00:08:52: Sie gelten auch in der Schwangerschaft?
00:08:54: Es ist so, dass die gesetzlichen Krankenkassen eine Pflicht zur Kostenübernahme nur unter bestimmten Bedingungen haben.
00:09:05: Dafür muss eine Leistung medizinisch notwendig sein.
00:09:09: Zweckmäßig, also den Behandlungsziel dienend ausreichend ... Und wirtschaftlich, also mit dem geringstmöglichen Kostenaufwand muss eine gleiche Qualität erzeugt werden.
00:09:23: Diesen Anforderungen sind alle Leistungen erst mal unterworfen, die im Rahmen der gesetzlichen Krankenkasse überhaupt übernommen werden können.
00:09:33: und diese Screening-Tests, die zum Teil als Igelleistung angeboten werden, entsprechen diesen Kriterien eben
00:09:42: nicht.
00:09:43: Was es mit dem Medizin nicht notwendig, zweckmäßig ausreichen und wirtschaftlich genau auf sich hat, erklären wir in Folge forty-six mit dem Titel Eagle versus GKV Warum Kassenleistungen oft unterschätzt werden.
00:09:56: Den Link findet ihr in den Shownotes.
00:09:58: Bei Screeninguntersuchung ist mit dem Nutzen nicht nur gemeint das hier ein Möglicher Schaden verhindert wird, der in seltenen Einzelfällen auch tritt.
00:10:10: Sondern dass auch eine mögliche Überversorgung verhindern wird durch Therapien, die in den meisten Fällen überhaupt gar nicht notwendig sind.
00:10:19: Das heißt nicht das im Einzelfall hier der Schaden durch die Infektion sehr gravierend sein kann.
00:10:26: Das heisst es nicht!
00:10:28: Sondern hier wird einfach geschaut wenn ich wirklich alle Schwangerinnen Nicht krankste, nicht zahme ich die alle Screene.
00:10:38: Und denen dann alle eine Therapie zukommen lasse.
00:10:41: hat das überhaupt einen positiven Effekt auf das was sich als Gesundheitsversorgung erreichen möchte und da wird es eben keine
00:10:52: Kassenleistungen.".
00:10:54: Genau dieser Aspekt ist für manche einen nur schwer zu verstehen.
00:10:58: Auf den ersten Blick erscheint es doch ziemlich eindeutig zu sein wenn man zum Beispiel ein Test auf einen Krankheitserreger macht entweder man hat ihn Und kann dann entsprechend handeln oder eben nicht.
00:11:08: Doch wie so oft ist es auch hier etwas komplizierter?
00:11:11: Ich verstehe das, wenn man das erst mal nur wahrnimmt ... Aber natürlich um eine Leistung auch nicht in die gesetzliche Krankenkasse aufzunehmen oder in die Leistungspflicht aufzuleben.
00:11:25: Da wird schon geguckt was liegt dem zugrunde?
00:11:30: und ich nehme einfach den Betastreptokockentest der keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse ist, aber in der Regel allen Frauen doch irgendwie empfohlen wird und viele machen diesen Test ja auch.
00:11:44: So da gibt es hier auch einen Igelmonitorbeitrag zu, der sehr interessant ist, dass er das Ganze nochmal genau beleuchtet und es gibt auch tatsächlich Empfehlungen der WHO dazu.
00:11:55: aus zwanzig vierundzwanzig die gar nicht davon abweichen muss man sagen auch wenn der IgelMonitor ein bisschen älter ist.
00:12:02: Und da ist der Hintergrund dazu einfach, dass die vaginale Besiedlung mit Betastreptokocken der Frau etwas ganz Natürliches.
00:12:13: Manche Frauen haben das und manche Frauen nicht.
00:12:15: Das ist wie ein individuelles Merkmal, hat auch nichts mit Lebensumständen, Hygiene oder sonst irgendwas zu tun, sondern ist vorhanden oder eben nicht.
00:12:26: Für die Frau selber völlig unproblematisch ... Und deshalb auch nicht behandlungsbedürftig.
00:12:32: Aber wenn jetzt ein vorzeitiger Blasensprung vor allen Dingen stattfindet oder während einer vaginalen Geburt, können diese Betastreptokocken auf das Kind übertragen werden und dann in seltenen Fällen tatsächlich zu schweren Infektionen bis hin zum Tod des Kindes führen.
00:12:50: Und ich sag mal so jeder Gynäkologe der schonmal einen Kind mit einer Betastrepdokockenzepsis ... erlebt hat, hat höchsten Respekt vor dieser Erkrankung.
00:13:04: Das muss ich wirklich so sagen ... So!
00:13:07: D.h.,
00:13:07: das gilt es zu vermeiden.
00:13:10: Dass Kinder sich mit Betterstreptokocken infizieren und hier tatsächlich auch einen Schaden nehmen.
00:13:17: Um das zu vermeidigen gibt es zwei Ansätze.
00:13:20: Der eine Ansatz ist man screent einfach alle Frauen Alle, alle und alle die ein positives Abstrichresultat haben.
00:13:28: Das heißt bei den Betastreptokogen nachgewiesen werden bekommen unter der Geburt oder sagen wir kurz bevor wirklich das Kind den Vaginal-Kanal passiert eine Antibiose.
00:13:40: Alle bekommen das!
00:13:43: Der zweite Weg ist dass nur die eine Antibiose bekommen die ein erhöhtes Risiko für eine Infektion haben.
00:13:52: Und dieses Risiko wird definiert durch Blasensprung längere Zeit vor der Geburt, also länger als achtzehn Stunden oder auch Fieber unter der Gebur und noch weiteren Risikofaktoren.
00:14:07: Diese Risikophaktoren sind in unseren deutschen Leitlinien für die Geburtsbetreuung schon verankert.
00:14:15: Also ... Frauen mit Fieber unter der Geburt oder einem fortsattigen Blasensprung, der dann über längere Zeit nicht zur Geburt führt.
00:14:25: Den wird eine Antibiose empfohlen.
00:14:28: Also das findet statt!
00:14:30: Es ist jetzt also die Frage zu klären welcher Ansatz es besser?
00:14:34: allen Frauen einfach eine Antibiose geben, die positive Abstrich haben oder nur denen bei denen auch diese Risikofaktoren identifiziert werden.
00:14:43: Und dazu gibt es bisher keine eindeutige Studienlage.
00:14:50: Also der Igelmonitor hat dazu ausgeführt dass es einen geringen Hinweis auf ein Nutzen gibt aber die Auswirkungen der Antibiotika gab sie sind ja gar nicht bekannt Und das, darauf geht auch die WHO ein in ihren Empfehlungen.
00:15:06: Das heißt, die Auswirkung auf das kindliche Mikrobiom zum Beispiel sind gar nicht bekannt und untersucht weiß man nicht.
00:15:15: Insofern wird der Nutzen als unklar da bewertet und lässt sich also auch nicht klar belegen.
00:15:23: was ist denn nun wirklich besser?
00:15:42: Ist das Verhältnis von Nutzen zu schaden, nicht überzeugend?
00:15:45: positiv zugunsten des Nutzens werden die Kosten nicht von den Kassen übernommen.
00:15:49: Das heißt aber nicht, dass eine Leistung immer eine Igel bleiben muss.
00:15:53: Es gibt immer mal wieder Fälle bei denen sich die Lage im Laufe der Zeit verändert.
00:15:58: Bekanntes das Beispiel ist wahrscheinlich den Nippt – Der nicht-invasive Pränataltest mit dem getestet wird ob beim Ungeborenen eine Trisomie XIII-, VIII oder XXI vorliegt.
00:16:09: Bei diesen Trisomien sind die Kommosomen XIII, VIII und XXI nicht doppelt sondern dreifach vorhanden was zu schweren gesundheitlichen, auch lebensbedrohlichen Beeinträchtigungen führen kann.
00:16:21: Zu diesem Test kommen wir gleich noch mal.
00:16:23: Ein weniger bekanntes Beispiel für eine Leistung die erst Igelwaren-Jetzkassenleistung ist ein anderer Brennataltest und zwar auf den fetalen Resusfaktor.
00:16:33: Dabei wird getestet ob das Kind genauso Resus-Faktor negativ ist wie die Mutter.
00:16:39: Was war jetzt nochmal der Resus Faktor?
00:16:41: Der Resus facto oder das Resusmerkmal Und Resus-negative Mütter haben dieses Merkmal quasi nicht.
00:16:52: Resus positive Kinder, aber schon!
00:16:56: Wenn eine resus negative Mutter ein Resus positives Kind zur Welt bringt oder auch einfach schwanger ist dann hat dieses Resus Positive Kind also eine Blutgruppe bei der das Resusbrutein oder dieser Resus Faktor vorhanden.
00:17:15: Wenn sich nur mütterliches und kindliches Blut vermischen, was im Zuge der Schwangerschaft durchaus passieren kann über die Plazente.
00:17:24: Dass dort ein kleiner Teil von Kindlichem Blut auch in den mütternlichen Kreislauf gelangen kann bei vorzeitigen Wehen oder natürlich auch unter der Geburt ganz klar dann Kann die Mutter Antikörper bilden.
00:17:38: gegen dieses Resus positive Blutmerkmal.
00:17:43: sag ich jetzt einfach mal In dieser Schwangerschaft wäre das dann noch gar nicht das große Problem.
00:17:50: Aber in einer folgenden Schwangerschaff, wenn wieder ein resus positives Kind geboren wird oder die Frau mit einem resus-positiven Kind schwanger ist, können diese Antikörper das Blut des Kindes zerstören und das ist natürlich ein großes Problem.
00:18:08: Das will man verhindern.
00:18:09: Darum gibt es die sogenannte Resusprophylaxe.
00:18:14: Die soll diese Blutzellen abfangen.
00:18:18: So, jetzt ist aber die Resusprophylaxe.
00:18:20: Also etwas ein Protein was man spritzt das kann Nebenwirkungen haben Das kann zu Allergien führen und und und also es ist auch nicht mal eben gegeben.
00:18:33: Aber natürlich Früher hat man dass allen resus negativen Frauen gegeben.
00:18:39: Aber seit es eben diesen nicht invasiven Prenatal-Test gibt Kann man ja schauen welchen Resusfaktor hat denn das Kind?
00:18:45: Und wenn es auch negative ist Na ja, dann wird die Mutter keine Antikörper bilden und braucht entsprechend die Resusprophylaxe nicht.
00:18:56: Eine der beliebtesten Maßnahmen während der Schwangerschaft ist sicherlich der Ultraschall.
00:19:00: Denn dann gibt es erstmals die Möglichkeit für die werdenden Eltern einen wenn auch eingeschränkten Blick auf den kommenden Nachwuchs zu werfen.
00:19:07: Man sieht zum ersten Mal das Baby wie sich bewegt sein Herzschlag.
00:19:11: Man kann sich ein Bild davon ausdrucken und mit nach Hause nehmen.
00:19:15: Ein großer Moment, den viele gerne wiederholen wollen Vielleicht auch in drei D oder als Video.
00:19:20: Doch was man dabei schnell vergisst, medizinisch notwendig ist das alles nicht.
00:19:25: Im Laufe der Zeit artete dieses Babyfernsehen ohne Medizinisch-Notwendigkeit regelrecht aus.
00:19:32: Also bis zwanzig einundzwanzig, sag ich mal.
00:19:35: grob war es durchaus üblich dass den Frauen ganze Pakete quasi verkauft wurden so... Nach dem Motto jedes Mal, wenn Sie kommen bekommen sie ein Bild oder jedes Mal.
00:19:48: Wenn Sie kommen zur Vorsorgeuntersuchung machen wir ein Video was auch immer.
00:19:55: also einfach nicht aus medizinischen Gründen hier einen Ultraschall zu machen sondern eher zur Unterhaltung um mal zu schauen so das war durchaus üblich wurde nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen sondern musste selbst bezahlt werden.
00:20:12: die gesetzliche Krankenkassen zahlt für ganz normal verlaufende Schwangerschaften drei Ultraschalluntersuchungen, in jedem Schwangerschaftrittel eine.
00:20:23: Und darüber hinaus erst mal nichts.
00:20:25: Es sei denn es sind irgendwelche Risikofaktoren auf oder irgendwelchen Auffälligkeiten im Ultraschlag die dann natürlich dazu führen dass weitere Ultraschutz untersucht werden müssen.
00:20:37: Die sind aber medizinisch indiziert also notwendig.
00:20:42: Seit zwanzig-einundzwanzig ist diese Ultraschall ohne medizinische Indikation gesetzlich verboten.
00:20:51: Das klingt etwas sperrig in der Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen, nicht ionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen und das betrifft eben dieses Babyfernsehen, Babywatching wie auch immer man es denn nennen will.
00:21:12: Das heißt, ohne eine medizinische Indikation darf aktuell eigentlich kein Ultraschall mehr gemacht werden.
00:21:21: Dass es dieses Schier unübersehbare Angebot an zusätzlichen Leistungen gibt und vieles davon Test sind um das Risiko für mögliche Probleme zu bestimmen ist womöglich auch eine Folge einer durchaus bedenklichen Entwicklung der Angst der Eltern etwas falsch zu machen Den einen Test nicht zu machen, der dann dazu führen könnte, dass sich ein Kind nicht so entwickelt wie man es sich vorstellt.
00:21:46: Es stellt sich die Frage ob Frauen oder Eltern mit der Zeit unsicherer geworden sind weniger Vertrauen haben als vielleicht noch ihre Eltern oder Großeltern?
00:21:56: Ja also den Eindruck habe ich und den Eindruck hab'n nicht nur ich... ...es lasse dir ein unheimlicher Druck auf den Schwangeren, auf den Familien.
00:22:07: denn ich sag mal durch die sozialen Medien und so weiter, wird ein völlig idealisiertes Bild von Schwangerschaft, Geburt, Elternschaft wie ein Kind zu sein hat allein schon.
00:22:22: Also ein völlig Idealisiertesbild vermittelt mit der Erwartung dass alle Abweichungen davon nicht okay sind Nicht okay sind, vielleicht auch Schuld der Mutter sind.
00:22:39: Schuld der Schwangerin.
00:22:41: Wer auch immer hat da etwas falsch gemacht?
00:22:44: Wenn etwas nicht normal läuft oder in Anführungsstrichen normal will ich mal sagen ... Dann hat irgendjemand etwas falschgemacht.
00:22:54: Also solche schicksalhaften Verläufe wie es sie ja einfach gibt dafür gibt es gar keinen Raum mehr sondern wenn etwas schief geht, nicht läuft wie erwartet.
00:23:09: Dann hat irgendwer ein Fehler gemacht.
00:23:12: und natürlich möchten Nichtschwangere oder Eltern hier irgendwelche Fehler machen.
00:23:19: Sondern sie möchten das Maximum Ideale für ihr Kind für ihre Schwangerschaft für ihre Geburt herstellen eine ideale Umgebung, ideale Bedingungen und meinen eben dies auch über zusätzliche Leistungen oder die maximale Ausschöpfung allem was möglich ist herstellen zu können.
00:23:42: Aber das ist dieser große Druck der hier einfach auf den Schwangeren lastet.
00:23:48: Sie sind dafür verantwortlich dass jetzt das Kind gut zur Welt kommt, die Schwangerschaft gut verläuft.
00:23:56: Und ja selbst dafür dass das Kind dann im weiteren Leben einen guten Weg nimmt.
00:24:01: denn beim Thema Mikrobiome geht es ja schon los, nimmt die Schwangere dann doch eine Antibiose vielleicht ist dann das Mikrobiom gestört und dann könnte das kind was weiß ich später irgendwelche Erkrankungen haben.
00:24:14: also das ist ein unheimlicher Druck der hier auf die Frauen abgewälzt wird Idealst herauszuholen, was gar nicht möglich ist unbedingt.
00:24:27: Wer dieses Urvertrauen noch hat in dieses biologische Phänomen Schwangerschaft und wer sich einfacher machen will, der verlässt sich auf das Urteil der Krankenkassen und nutzt eben nur das, was die Kassen geprüft haben und bezahlen.
00:24:40: Auf Igel kann man dann guten Gewissens verzichten.
00:24:43: Alle anderen können sich von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt ausgiebig beraten lassen.
00:24:48: Die Kosten für viele Tests liegen im Bereich zwischen zehn und dreißig Euro.
00:24:52: Manche Maßnahmen kosten aber auch zweihundert Euro und mehr.
00:24:55: Und am Ende bekommt man bei einigen Tests nur einen Wahrscheinlichkeitswert, der einen mitteilen soll wie wahrscheinlich es ist dass eine Erkrankung auftritt.
00:25:03: Manch einer wird das wenig hilfreich finden.
00:25:10: Am Ende unseres Gesprächs möchte Antje Ennequen dann doch noch auf einem Umstand hinweisen, der ihr ganz persönlich zu Denken gibt!
00:25:18: Und zwar im Zusammenhang mit dem NIPT – dem Test of Trisomien.
00:25:25: Der wurde von der Igel zur Kassenleistung.
00:25:27: Aber das hat so eine Entwicklung geführt, die viele Menschen aus ethischer Sicht problematisch finden.
00:25:32: Also den nicht-invasiven Prenataltest ist ja mittlerweile keine Igelleistung mehr aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.
00:25:41: Diese Voraussetzung sind allerdings sehr weich formuliert.
00:25:46: Das heißt also theoretisch wäre wenn diese Voraushetzung nicht vorliegen immer noch ein Igel.
00:25:55: Aber diese Voraussetzungen sind sehr weich formuliert.
00:25:59: Denn da steht letzten Endes drin, dass alle Frauen diesen Test in Anspruch nehmen können, wenn sie zusammen mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt feststellen, dass der Test in ihrer persönlichen Situation notwendig ist.
00:26:18: Und das gibt ja einen superweiten Rahmen.
00:26:23: Da gibt es keine weiteren Einschränkungen zu außer dass auch noch Frauen den natürlichen Anspruch nehmen können, wenn bereits Verdacht auf eine Trisomie besteht.
00:26:32: Dann kann man den nippt auf einen Anspruch.
00:26:35: Aber eben das er in der persönlichen Situation notwendig ist.
00:26:39: Das gibt ein sehr weiten Rahmen und... Dass es als Problem auch insoweit erkannt worden, dass es hier Anfang des Jahres von Abgeordneten Bundestages einen Antrag gab worauf noch weiter eingegangen wurde und vor allen Dingen auch thematisiert wurde, die Befürchtung dass daraus eine Art Screening-Test wird.
00:27:05: Denn das ist eigentlich... Nein nicht eigentlich!
00:27:08: Das ist nicht gewollt und das soll dieser Test auch nicht sein.
00:27:17: Dann sind wir wieder bei der Scheinsicherheit dann wird dadurch vermittelt alles ist jetzt super gut Aber vielleicht hat das Kind auch irgendetwas anderes.
00:27:28: Vielleicht kommt es zu einem Problem irgendwann in der Schwangerschaft, vielleicht verläuft die Geburt doch nicht so wie geplant und das Kind hat einen bleibenden Schaden, was auch immer ... Also hier wird wieder eine Scheinsicherheit suggeriert aber gleichzeitig auch irgendwo abgewertet Und das ist, finde ich höchst bedenklich.
00:27:53: Das ist aber nicht nur ein Problem der einzelnen Schwangerin, sondern das natürlich auch ein gesellschaftliches Problem.
00:28:03: Also es ist ja eine große ethische Frage dahinter.
00:28:07: Denn ich sage mal so was ist denn wenn sich jetzt eine Frau sagen wir mal bewusst?
00:28:13: für ein Kind mit Trisomie, einundzwanzig, dreizehnachzehn entscheidet oder sich auch einfach gegen diesen Test entscheidet.
00:28:21: Sie kann ja auch sagen in meiner persönlichen Situation brauche ich den Test nicht.
00:28:26: Dann ist es schon so ... dass danach gefragt wird?
00:28:31: Ja, habt ihr das denn nicht gewusst?
00:28:33: Und das suggeriert natürlich, ist es gar nicht okay mit einer Trisomy zu leben oder einem Kind mit einer Triesomy zur Welt zu bringen und... Das Es ist ein großes ethisches Problem, worum es eben auch in diesem Antrag geht und was für so bisschen über diesen Test schwebt.
00:29:01: Der Igelmonitor hat bereits einige Igel bewertet.
00:29:05: Die Links stelle ich euch in die Show notes.
00:29:07: Ende September präsentieren wir dann die Ergebnisse zu zwei neuen Bewertungen beziehungsweise Updates.
00:29:12: In beiden Fällen geht es um Akupunktur Und damit sind wir am Ende dieser Folge.
00:29:18: Das war der Igel Podcast, dem Podcast für eure Gesundheit, Selbstzahlerleistungen und evidenzbasierte Medizin.
00:29:25: Empfiehlt uns bitte weiter, gebt uns Sterne wenn es euch gefallen hat und abonniert uns wo immer ihr auch Podcast hört!
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