Unspezifische Kreuzschmerzen: Wie gut hilft Osteopathie?

Shownotes

Der IGeL-Monitor hat vor wenigen Tagen seine aktuelle Bewertung der Osteopathie bei unspezifischen Rückenschmerzen veröffentlicht. In der heutigen Folge des IGeL-Podcast erläutert Marion Danner, eine der Autorinnen, warum der Nutzen und Schaden dieser Selbstzahlerleistung vom IGeL-Monitor erneut mit „unklar“ bewertet wurde.

Die Physiotherapeutin und Heilpraktikerin Kerstin Kempen aus Köln erklärt, was genau man unter Osteopathie versteht und was das alternative Verfahren von Physiotherapie unterscheidet. Sie berichtet zudem, wie sie persönlich die osteopathische Behandlung einsetzt.

Rückenschmerzen zählen zu den am weitesten verbreiteten Beschwerden und sind einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit. Viele therapeutische Maßnahmen – darunter auch die Physiotherapie – werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Osteopathie hingegen ist eine selbst zu zahlende Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Viele gesetzliche Krankenkassen bezuschussen die Leistung jedoch freiwillig.

Viele Patientinnen und Patienten setzen auf osteopathische Behandlungen als Selbstzahlerleistung. Wer das für sich in Betracht zieht, sollte sich über den zu erwartenden Nutzen und Schaden informieren.

Zu Gast in dieser Folge:

Dr. Marion Danner, Diplom-Volkswirtin und Gesundheitsökonomin
Kerstin Kempen, Physiotherapeutin und Heilpraktikerin

Pressemitteilung zur Bewertung: https://igel-monitor.de/presse/pressemitteilungen/2026-06-18-igel-monitor-bewertet-osteopathie-bei-unspezifischen-kreuzschmerzen-mit-unklar.html
Bewertung: Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen
https://igel-monitor.de/igel-a-z/igel/show/osteopathie-bei-unspezifischen-kreuzschmerzen.html
Vielen Dank dem Londoner Künstler Ketsa: Sein Stück „Beat Stick“ ist der Jingle des IGeL-Podcast.

Transkript anzeigen

00:00:02: Der IGL Podcast.

00:00:09: Ein Podcast

00:00:10: rund um individuelle Gesundheitsleistungen,

00:00:18: Gespräche über Gesundheit

00:00:20: und Geld.

00:00:28: Herzlich willkommen zur neuen Folge des IGL-Podcasts, dem Podcast für eure Gesundheit, Selbsthalerleistung und evidensbasierte Medizin!

00:00:36: Mein Name ist Markus Anhäuser.

00:00:38: In dieser Folge stellen wir wieder eine Bewertung des Igelmonitors vor – also das Kerngeschäft unseres Dienstes.

00:00:44: Wir überprüfen ja regelmäßig Leistungen, die ihr beim Arzt oder einer Ärzte in Angeboten bekommt und für die ihr bezahlen müsst.

00:00:50: Weil die gesetzlichen Krankenkassen das aus guten Gründen gar nicht wieder nur zum Teil übernehmen.

00:00:56: Diesmal hat sich das Team des Igelmonitors eine Leistung aus dem Bereich der Alternativen-Lizien ausgesucht, die ziemlich beliebt ist und gegen Beschwerden helfen soll, die sehr weit verbreitet sind.

00:01:06: Osteopathie gegen unspezifische Rückenschmerzen Osteopathie generell gegen Schmerzen belegt.

00:01:16: laut dem Igel-Report von den Anspurten von im Jahr ist Platz neun der am häufigsten in Anspruch genommenen Igelleistungen und Platz vier der umsatzstärksten Igel.

00:01:26: Und Rückenschmerzen sind so ein Problem, von dem wahrscheinlich jeder schon irgendwann mal betroffen war.

00:01:31: Laut einer Befragung des Robert Koch Instituts aus dem Jahr zwanzig hatte rund sechzig Prozent im Jahr zuvor Rückenschmerz.

00:01:38: Das betrifft vor allem den unteren Bereich was dann als Kreuzschmerze bezeichnet wird Und bei eighty-fünf Prozent aller Menschen, die Rückenschmerzen haben ist unklar was die Ursache ist.

00:01:48: Das bezeichnet man dann als unspezifischen Rückenschmärz.

00:01:52: Bei etwa sechzehn Prozente befragten dauert das länger als drei Monate und dann reden wir von chronischem Rückenschmerz.

00:01:59: Aber was genau ist jetzt noch mal Osteopathie?

00:02:02: Die

00:02:02: Osteopathie ist eine Form von manueller Medizin.

00:02:06: Sie wird mit den Händen ausgeführt, ich untersuche den Patienten natürlich auch mit einer visuellen Betrachtung und einem Gespräch vorher aber vor allem auch dass ich den Patienten untersuche indem ich ihn anfasse und teste.

00:02:20: wie fühlen sich die Spannungen im Körper an?

00:02:22: Wie beweglich ist das Gewebe oder die Gelenke?

00:02:27: Versucht man darüber zu eroieren, was ist das natürliche für diesen Patient?

00:02:34: Zum Beispiel im Vergleich zwischen rechts und links.

00:02:37: Und

00:02:38: dann versuche ich diese Funktionseinschränkung oder Bewegungseinsschränkungen zu

00:02:45: lösen.".

00:02:46: Das isst Kerstin Campen – achtundzwanzig Jahre alt lebt und arbeitet in Köln.

00:02:51: Sie hat eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht.

00:02:57: Die ist mindestens erforderlich, um Osteopathie auszuführen.

00:03:00: In Deutschland dürfen nur Ärzte oder Ärztinnen diese manuelle Methode durchführen?

00:03:04: Oder in Personen die eine Heilpraktikererlaubnis haben?

00:03:08: Lad es die Ausbildung zum Heilpaktiker nur wenig geregelt – manche haben das über Jahre gelernt und anderen wenigen Wochen einen Kurs belegt.

00:03:16: Vergleichbar mit einem Medizinstudium ist das also nicht.

00:03:20: Kerstin Campen ist seit Jahrzehnten für Physiotherapeuten Und durfte damit mit Fünfundzwanzig ihre Heilpraktikererlaubnis erwerben und setzt seitdem auch Osteopathie ein.

00:03:30: Die Unterschiede zwischen Physiotherapie und Osteopathie sind Ihrer Meinung nach schon ziemlich deutlich?

00:03:36: Ja,

00:03:37: also für mich ist glaube ich der größte Unterschied dieser Direktzugang dadurch dass sich Heilpaktikerin bin das der Patient direkt zu mir kommen darf ohne vorher beim Arzt gewesen zu sein und dass ich dementsprechend auch nicht weisungsgebunden bin In der Physiotherapie, dadurch dass ich das auch lange Zeit gemacht habe.

00:03:58: Man ist weisungsgebunden vom Arzt.

00:04:00: Der Patient kommt mit einem Rezept und muss dann auch Symptomen bezogen behandeln.

00:04:05: also wenn da drauf steht der Patient hat Schulterbeschwerden Dann muss ich ihn auch an der Schulter behandeln.

00:04:10: Ich kann ihm auch mitgeben Bewegungsschulungen Übungen Dass der Patient auf jeden Fall selbst wirksam ist.

00:04:19: Aber man kann halt jetzt nicht den ganzen Körper sich anschauen und das ist zum Beispiel in der Osteopathie ja Der Grundsatz, dass ich halt ganzheitlich auf dem Körper schaue.

00:04:29: Dass ich mir wirklich diese einzelnen Dinge anschaue wie Den Bewegungsapparat die Aufhängung der Organe Und auch die Verbindung zwischen Kopf- und Kreuzbein, dass man da wirklich Ja Sich alles anschauen kann.

00:04:43: wer zum Arzt oder zur Heilpraktikerin geht um sich osteopathisch behandeln zu lassen Der hofft darauf, dass sich die behandelnde Person ausgiebig mit dem gesundheitlichen Problem auseinandersetzt.

00:04:55: Mehr als man es vielleicht von seinem Arzt oder der Ärztin erwartet.

00:04:58: Auch wenn die Erzitschaft eigentlich auch versucht, diese Sache auf den Grund zu gehen – nur können sie sich vielleicht nicht immer so viel Zeit nehmen!

00:05:04: Ich glaube eine große Stärke ist halt wirklich Individuelle Behandlung des Patienten.

00:05:11: Dass ich mir nicht nur das Symptome angucke, sondern auch gucke den Patient in seinen Lebensumständen.

00:05:19: Dass es halt nicht nur was Körperliches ist, sondern vielleicht auch was Psychoemotionales oder auch das sogenannte vegetative Nervensystem, wenn wir viel Stress haben und dass das viel mit rein spielt.

00:05:31: Und dass sich mir den Patienten da wirklich auch Mitzeit angucken kann und dem seinen Raum geben kann dass ich ihn da bestmöglich und noch bestm Wissen und Gewissen unterstützen kann.

00:05:45: Was glaube ich auch echt essentiell ist, wie gut kommt Patient und Therapeut miteinander aus?

00:05:52: Wie ich schon angedeutet habe, es gibt Therapeuten.

00:05:54: Die sind viel struktureller.

00:05:55: und dann gibt es Thera- poiten, die sind sehr sanft und feinfühlig.

00:06:00: Da muss man vielleicht auch manchmal gucken, okay ist das die richtige Konstellation zwischen Patient und Therapoid?

00:06:06: Kann der Patient sich öffnen?

00:06:08: Kann das Patient und Tera- peut sich gut mitteilen und das irgendwie verständlich

00:06:14: machen?".

00:06:15: Unterschiede in der osteopathischen Behandlung entstehen auch, weil es im Grunde drei Säulen der Osteopatie gibt.

00:06:22: Die jeweils unterschiedliche Ansätze verfolgen.

00:06:25: Andrew Taylor Still hat vor ca.

00:06:27: hundertvierzig Jahren die Osteopathie ins Leben gerufen.

00:06:32: Er selber war halt amerikanischer Arzt und hat dann selber diese ... Behandlungstechniken entwickelt und hat es dann weitergegeben.

00:06:42: Und seine Schüler haben die Osteopathie noch weiter ausgeführt, also das war am Anfang sehr strukturell.

00:06:47: parietal sag ich jetzt mal, also dass ist viel auf dem Bewegungsapparat beschränkt war.

00:06:54: und dann haben die Schüler von Endo Taylor Still das auch weiter getragen.

00:06:58: Und haben dann auch Behandlungstechniken für die Organe, aber auch das sogenannte Kraniosakralesystem, also die Verbindung zwischen Kopf- und Kreuzbein mit eingeführt.

00:07:08: Das sind diese Grundsäulen der Osteopathie.

00:07:10: Pareatale, Bewegungsapparat, Visceral für die organe und Kranosakral für die Verbindung zwischen Kopf und Kreuzzbein.

00:07:19: Kerstin Campbell unterscheidet auch noch weitere Varianten, je nachdem auf welchem Wege versucht wird die gesundheitliche Einschränkung aufzulösen.

00:07:27: Ich glaube es ist auch so ein Unterschied zwischen den Techniken die man anwendet.

00:07:31: Es gibt sogenannte direkte und indirekte Techniken.

00:07:34: Direkte Technik sind eher fordernd.

00:07:39: für den Körper sag ich jetzt mal dass ich halt merke okay der Muskel lässt nicht gut locker zum Beispiel und dann massiere ich dem Muskel locker.

00:07:48: Das ist eher eine direkte Technik, dass ich den Muskel sofort sage so hey du musst hier loslassen indem ich halt immer wieder diese Massage auf dem Muskel gebe zum Beispiel.

00:07:58: Dann gibt es aber auch eher die Möglichkeit zu sagen ok ich arbeite indirekt an dem man halt zum Beispiel über eine Faszientechnik nicht auf der Muskel selber geht sondern eher auf diese Bindegewebshülle vom Muskel und dann durch Annäherung und drei D Einstellen versucht da eine Entspannung aus dem Gewebe herauszuholen.

00:08:21: Man sagt auch so aufatmen, dass man das Gefühl hat und spürt hey ich lass los!

00:08:27: Ich lasse

00:08:27: locker!".

00:08:28: Das Rückenschmerzen an wirklich häufiges Problem sind sieht Kerstin Kempen in ihrer Praxis.

00:08:35: Auch wenn für viele Osteopathie nicht die erste Wahl ist, unsere manche Patientin eine kleine Odyssey hinter sich hat.

00:08:42: Das sind ja tatsächlich viele Menschen, die mit unklaren Rückenschmerzen zu mir kommen.

00:08:46: Weil sie dann schon vorher ausprobiert haben beim Arzt eine Spritze bekommen, die Physiotherapie bekommen und dann sagen okay ich habe jetzt schon so viel ausprobieren jetzt probiere auch noch die Osteopathie aus.

00:08:57: Um der Ursache der Schmerzen auf den Grund zu gehen nimmt sich Osteopatien Campen viel Zeit.

00:09:03: das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe warum die Behandlungsart so beliebt ist.

00:09:08: Also, zuerst führe ich mit dem Patienten ein Gespräch und versuche das einzuordnen.

00:09:13: Was ist das überhaupt für einen Schmerz?

00:09:15: Zum Beispiel auch Stärke, Beeinflussbarkeit wie es die Qualität ist, es brennend stechendumpf ziehend irgendwas in die Richtung dann natürlich alles andere auch medizinische.

00:09:27: drum herum gibt's Vorerkrankungen gab es schon irgendetwas?

00:09:30: irgendwas was mir sagt so hey den Patient darfst du nicht behandeln oder der muss halt vorher nochmal abklären lassen Dann geht es halt in die sogenannte Inspektion.

00:09:40: Dann schaue ich mir den Patienten von allen Seiten an, bevorzugt in Unterwäsche, damit ich auch die Hautbeschaffenheit zum Beispiel anschauen kann vom Patienten.

00:09:50: und dann werden schon Bewegungstests gemacht.

00:09:53: also sich mir anschaue, wie bewegt sich der Patient?

00:09:58: Manchmal ist es angebracht eine Ganganalyse zu machen.

00:10:00: Manchmal hat es eingebracht das nur im Stehen zu machen, zu schauen, wie die Beweglichkeit vom Becken von der Wirbelsäule von den Extremitäten.

00:10:10: Und dann las ich dem Patient hinsetzen mache eventuell nochmal Bewegungstests auch schon mit anfassen dass ich halt spüre Wie bewegt sie sich diese Struktur mit im Vergleich zur anderen Seite.

00:10:23: Und dann lasse ich meistens den Patienten hinlegen, entweder in Bauchlage oder ein Rückenlage.

00:10:28: Oder eine Seitlage das was gerade angebracht ist und mir auch die meiste Informationen gibt.

00:10:34: Dann ist es halt ganz spezifisch was bringt der Patient für Symptome mit?

00:10:38: Muss ich jetzt eher erst einen orthopädischen Test machen und entscheiden darf ich ihn überhaupt behandeln?

00:10:45: Oder wenn diese orthopäthischen Tests zum Beispiel negativ sind, dann mache ich meine sogenannten osteopathische Tests in die Richtung Bindegewebe-Testen oder Beweglichkeit von Gelenken.

00:10:57: Das sind ganz klassische Tests, die man auch schon in der Physiotherapie vielleicht gelernt hat.

00:11:03: wie beweglich ist das Gelenk?

00:11:09: Es gibt die sogenannten aktiven Bewegungstests, dann muss der Patient es aktiv machen und passiv machen.

00:11:14: Dann mache ich das für den Patienten als Beispiel.

00:11:18: Der Patient liegt im Rückenlage, ich hebe das Bein vom Patienten an und bewege einmal das Knie in der endgradige Beugung oder eine endgradigere Streckung, beobachte da bei den Patienten.

00:11:31: Gibt mir irgendwie visuelles Feedback vielleicht vom Gesicht, dass ich dann halt auch Rückfragen stellen kann.

00:11:37: wie fühlt sich das an?

00:11:38: Haben Sie dabei Schmerzen oder ist es vielleicht unangenehm oder macht das ein Geräusch oder einen Gefühl für sie im Gelenk?

00:11:46: Und man hat verschiedene Bewegungsrichtungen Beugung Strecken, Rotationen in beide Richtungen und auch dieses sogenannte Wegführen.

00:11:55: Und heran führen zum Körper die Abduktion und die Adduktion.

00:11:59: Das sind die Gelenkbeweglichkeiten, die wir haben, die werden einmal durchtesten.

00:12:05: Dann immer im Seitenvergleich wie fühlt sich die andere Seite an?

00:12:07: Um dann zu sagen okay da ist eine Abweichung von der Patienten eigenen Norm oder nicht.

00:12:14: Genau das ist jetzt so ein ganz klassischer Gelenktest.

00:12:18: Wenn ich jetzt Bindegewebe teste, kann das entweder sehr global sein.

00:12:23: Also über den ganzen Körper, da sich dann zum Beispiel der patientlikten Rückenlage die Beine ganz leicht von der Unterlage abhebe und am Körper ziehe und vielleicht merke ... Eine Seite lässt sich besser ziehen als die andere.

00:12:37: Das gibt mir dann zumindest einen Hinweis, okay ich muss eher zum Beispiel auf der rechten Seite gucken als auf der linken weil man merkt und das ist auch meistens das Feedback vom Patienten dass er selber merkt woher?

00:12:47: die eine Seite geht gar nicht so gut wie die andere und das sind dann zb diese faszialen Tests.

00:12:54: Und dann gibt es natürlich auch Tests noch im Bauchbereich Im Abdomen wo man dann erst mal global sich das anschaut kleinere Regionen vordringen, also auch immer vom Globalen zum Spezifischen die ganze Untersuchung macht.

00:13:11: Wenn Kerstin Campen dann eine Ursache ausgemacht hat geht es an die Behandlung, die so individuell ausfallen kann wie sie Patienten hat.

00:13:18: Bei manchen wird sie direkte Techniken anwenden bei anderen Indirekte.

00:13:21: Bei dem einen wendet sie Massagegriffe oder sogenannte Muskelenergie-Techniken an, die den Muskeltonus anpassen und so den Bewegungsspielraum langsam erweitern.

00:13:31: Manchmal setzt sie auf andere Behandlungsarten, wie Akkupunktur oder Schöpfen.

00:13:35: Oder sie gibt Hinweise für eine bessere Ernährung.

00:13:38: Es hängt auch von der Persönlichkeit des Patienten oder der Patientin ab.

00:13:41: Da eine möchte selbst aktiv werden Die andere möchte eher passiv bleiben.

00:14:03: Das alles erfreut sich großer Beliebtheit bei Patientinnen und Patienten.

00:14:07: Doch die Osteopathie steht doch immer schon in der Kritik.

00:14:10: Während manche Mechanismen plausibel klingen wird anderes vom Kritiker als reine Psoldewissenschaft betrachtet.

00:14:17: Es gibt zwar immer wieder positive Berichte über die Wirksamkeit von osteopathischen Maßnahmen, doch wenn man sich die Effekte in Studien anschaut zeigt sich je besser die Studien gemacht sind desto mehr verschwinden die Effekt und fallen auch nicht besser aus als bei einem Placebo also einer Scheinbehandlung.

00:14:33: Der Igel-Monitor hatte im Jahr zwei Tausend Achtzehn die osteopathische Behandlung gegen unspezifiche Rückenschmerzen genauer betrachtet wie wir Marion Dana erklärt Die an der aktuellen Bewertung beteiligt ist.

00:14:45: Ja, genau das Thema wurde schon mal im Jahr zwei tausend achtzehn bewertet Im Prinzip nach den gleichen methodischen und inhaltlichen Anforderungen die auch wir jetzt hier zugrunde gelegt haben.

00:14:57: Und damals wurden die Nutzenschadenbilanz der Osteopathie als unklar bewerteten.

00:15:02: Damals war es so, dass man zwar systematische Auswertungen von randomisiert kontrollierten Studien gefunden hat zu diesem Thema.

00:15:12: Die entsprachen aber nicht durchgehend eben den methodischen und inhaltlichen Einschlusskriterien die wir definiert haben.

00:15:19: Und deshalb hat man sie damals nicht zugrunde gelegt sondern hat sich die einzelnen Studien angeschaut.

00:15:25: Und da hat man damals gesehen, dass die Qualität der Studien einfach nicht ausreicht um hier wirklich Nutzen oder Schaden ableiten zu können.

00:15:35: Und deshalb ist es damals bei der unklaren Nutzenschadenbewertung geblieben.

00:15:39: Die Studien waren einfach zu wenig Aussage kräftig, um hieraus was

00:15:43: abzuleiten.".

00:15:44: Jetzt sind wir acht Jahre weiter und es wurde zeit erneut einen Blick auf die Behandlungsmethode zu werfen.

00:15:49: Wir hatten aber jetzt diesmal den Unterschied zu damals schon von Beginn an aus der systematischen Recherche nach Studien.

00:15:58: Insgesamt fünfzehn systematische Übersichtsarbeiten sind ja Auswertungen, die randomisiert kontrollierte Studien schon suchen und gemeinschaftlich auswerten und zusammenfassen.

00:16:13: Aber von denen entsprachen halt auch viele nicht unseren wirklichen Einschlusskriterien, wir haben dann gesehen dass die zum Beispiel verschiedene Rückenschmerzarten zusammengewertet haben oder das die Studien, dass die Personen Kinder mit in den Studien aufgenommen hatten mit anderen Erkrankungen und die zusammen ausgewertet haben.

00:16:32: also es gab verschiedene Gründe warum wir diese systematischen Übersichtsarbeiten dann eben nicht berücksichtigen konnten.

00:16:39: Schließlich wurde das IGL-Monitorteam aber dann doch noch fündig.

00:16:42: Wir hatten am Ende da noch drei systematische Übersichtsarbeiten übrig, die unseren Kriterien wirklich weitestgehend entsprachen und auch methodisch gut waren.

00:16:51: Und dafür haben wir uns für eine Arbeit entschieden, die eben am umfassendsten und am eindeutigsten unseren Kritären entsprach.

00:16:58: Das war ne Arbeit von Dalfaret Orl aus dem Jahr.

00:17:03: Eine der drei Übersichtsarbeiten war eine besonders aktuelle Untersuchung von Cochrane, der Organisation die wir euch in Folge forty-fünf vorgestellt haben und deren systematische Untersuchungen als besonders hochwertig betrachtet werden.

00:17:16: Trotzdem hat das Igel Monitor Team die ältere Untersuchungsvorgezogen.

00:17:20: Ja, das Cochran Review, das gab es, das war sogar sehr aktuell, das ist aus dem Jahr zwanzigzehntzig von The Söte et al.

00:17:28: Und das haben wir nicht eingeschlossen weil sich ausschließlich mit der spinalen Manipulationstherapie beschäftigt hat, also mit einem Bereich der Osteopathietechniken und eben nicht konkret als osteopathische Technik sondern übergreifend.

00:17:46: Das heißt hier wurden auch Studien einbezogen die die spinale Manipulationstherapie durch andere Berufsgruppen durchgeführt wurde beispielsweise Chiropratiker eingeschlossen und das war entgegen unserer Einschlusskriterien.

00:17:59: Die haben auch die Studien zur erste Osteopathie, die sie zwar identifiziert haben.

00:18:03: Haben sie aber nicht separat ausgewertet und diese Studien, die Sie identifiziert haben waren in dem anderen Review den wir als Leitreview identifizziert haben Auch drin.

00:18:13: deshalb haben wir also auch nichts verloren durch den Nicht-Einschluss des Cochrane Reviews.

00:18:17: Die dritte Untersuchung war eine spanische Auswertung, die auch schon älter war und noch ein paar andere auch methodischer Herausforderungen hatte.

00:18:24: Am Ende beließ es das Team, in der es nicht beim Light Review, sondern ergänzte es noch durch einige Einzelstudien die das Bild komplettieren konnten.

00:18:32: Genau!

00:18:32: Das machen wir ja immer so.

00:18:33: Wir gehen erstmal von den systematischen Auswertungen aus und schauen dann basierend auf dem Publikations- oder Recherchedatung dieser Auswertung, machen wir noch eine Aktualisierungsrecherche nach handenomisiert kontrollierten Studien.

00:18:47: also haben wir hier ab und haben da auch nochmal zwei randomisiert kontrollierte Studien gefunden, die wir eingeschlossen haben.

00:19:02: Als ich das Team des Light Review anschaute sah es zunächst ganz gut aus.

00:19:06: Es zeigten sich tatsächlich positive Effekte der Behandlung – und die waren nicht nur rein statistisch vorhanden sondern teilweise auch in einem klinisch relevanten Ausmaß.

00:19:15: Das heißt, es sah so aus dass die Rückenschmerzen tatsächlich durch die Behandlungen gelindert wurden.

00:19:21: Doch die Frage dabei ist immer, wie gut die Studien methodisch sind in denen das behauptet wird.

00:19:26: Und da zeigten sich dann leider zu viele Schwachpunkte, sodass dem Gutacht der Team bei der Bewertung nur eine Wahl blieb.

00:19:32: Ja!

00:19:33: Also im Fazit haben wir uns den Vorgängerbericht angeschlossen und entschieden dass Nutzen und Schaden der osteopathischen Behandlungen weiterhin unklar bleibt also sie nutzen Schadensbilanz unkler bleibt Denn leider konnten weder die große systematische Auswertung von Studien überzeugen, noch die Einzelstudien selbst.

00:19:53: Da kann ich jetzt nochmal ein bisschen zu ausholen.

00:19:57: Also einmal war es so dass in der systematischen Übersicht die Studien, die da eingeschlossen waren Die hatten überwiegend ein recht hohes Verzerrungspotenzial.

00:20:07: Das heißt, dass es Faktoren gibt die Fehler geben, die Studienergebnisse möglicherweise beeinflussen und dann nicht mehr richtig sind.

00:20:18: Ich mache jetzt mal ein Beispiel damit man das besser versteht.

00:20:21: Zum Beispiel haben die Studien überwiegende nicht durchgehend verblindet.

00:20:25: Verblindung heißt Patientinnen und Patienten wissen nicht in welcher Gruppe sie eingeteilt sind der Gruppe mit der echten Behandlung oder der Grupe mit der Scheinbehandlung.

00:20:34: Am besten sind auch die behandelnden Ärzte und auch andere an der Studie Beteiligte.

00:20:38: wird die Auswärter

00:20:39: verblendet.".

00:20:40: Das war aber hier nicht gegeben, wenn wir jetzt zum Beispiel mal von der Scheinebehandlungen ausgehen.

00:20:45: Die Patientinnen und Patienten wussten dann ob sie in der Behandlungsgruppe, in der Interventionsgruppe waren oder in der Kontrollgruppe – das führt leider dazu Das ist zwar nicht bewusst gemacht durch die Patientinnen oder durch die Behandelenden, aber dass die dann oft die Ergebnisse z.B.

00:21:02: eine Schmerzverringerung stärker einschätzen wenn sie in der Gruppe sind diese als Interventionsgruppe also hier die Osteopathie vermuten oder kennen.

00:21:11: Dann überbewerten die häufig ihren Effekt und das kann zu systematischen Verzerrungen führen.

00:21:16: wir konnten das hier zumindest nicht ausschließen weil die Verbindung häufig gar nicht gemacht wurde und durchgehen oder sie hat nicht gut funktioniert.

00:21:24: Das wird dann auch in den Studien öfter mal diskutiert.

00:21:27: Verblindung ist im Fall von Schmerzbehandlungen besonders wichtig, weil das Schmerzzgefühl mit am stärksten auf Placebos reagiert.

00:21:34: Aber es gab noch einen zweiten wichtigen Faktor der die Ergebnisse beeinflussen konnte.

00:21:38: Zum Einen war so dass die Heterogenität der eingeschlossenen Studien sehr hoch war.

00:21:43: Das heißt es wurden Studien eingeschlossen die sehr unterschiedliche Dinge schon untersucht haben, also unterschiedliche Behandlungstechniken der Osteopathie über unterschiedlich lange Zeiträume mit unterschiedlichen Vergleichsgruppen.

00:21:58: Also keine Behandlungen, Scheinbehandlungen oder andere Behandelungen und der Effekt wurde gemessen.

00:22:04: Die Ergebnisse wurden gemessen nach sehr unterschiedlichen Zeiträumen.

00:22:07: Die waren zwischen zwei und zwölf Wochen war alles dabei Und das hat dann in den Ergebnissen auch dazu geführt, dass die Heterogenität der Ergebnisse also die Verschiedenartigkeit des Studien und dann auch der gesehenen Ergebnis sehr unterschiedlich ist.

00:22:21: Es gibt noch einen dritten Faktor, der dafür sorgt, dass das Vertrauen in die Ergebnisse dieser Studien sehr gering ist der Publikations-Bais oder Veröffentlichungsbais.

00:22:30: Es

00:22:30: ist so, dass man von einem Veröffentlungsbais spricht wenn zum Beispiel viele kleine Studien die durchgeführt werden dann nachher auch veröffentlicht werden Wenn sie positive Effekte zeigen also hier einen positiven Effekt für die Osteopathie.

00:22:45: Wenn Sie aber einen nicht so guten Effekt zeigen oder sogar nachteil, dann wären Sie eher nicht veröffentlicht.

00:22:52: Wir denken hier durchaus, dass es die Möglichkeit gibt, das es hier Publikationsbeis gibt.

00:22:56: Weil wir auch eine systemalsche Auswertung osteopathischer Studien aus dem Jahr im Jahr ist.

00:23:03: Und zwar vom Institut für Osteopathische Studien, die gesagt haben oder die erhoben haben über alle Studien hinweg, dass in den Jahren zwanzig vierundzwanzig nur circa ein Viertel der in der Osteopatie durchgeführten Studien veröffentlicht wurde und Dreiundzwanzig waren sogar nur circa die Hälfte der Studien.

00:23:23: Also das zeigt, da gibt es tatsächlich eine Lücke, die nicht abgedeckt ist was dann eben noch mal zusätzlich unser Vertrauen in die Ergebnisse geschwächt hat.

00:23:33: Fehlende Verblindungen sehr unterschiedlich aufgebautes Studium publikationsbar ist.

00:23:38: Da sind schon ne Menge Gründe, die ein Ergebnis erheblich schwächen.

00:23:42: Aber dann gibt es tatsächlichen noch einen Aspekt, der leider immer wieder runter den Tisch fällt Obwohl er genauso wichtig ist für die Beurteilung einer Maßnahmen, wie der Nutzen einer Behandlungsart.

00:23:52: Die Risiken und Nebenwirkungen.

00:23:54: Das war auch noch eine zusätzliche methodische Einschränkung.

00:23:58: wir haben gesehen in der systematischen Übersicht von Dalfaradol das von diesen zehn in die Auswertungen eingeschlossenen Studien nur sieben überhaupt sagen, dass Sie unerwünschte Wirkungen erheben und auch diese nicht berichten.

00:24:15: Also sieben der zehn berichten gar nichts im Prinzip.

00:24:18: Nur drei Berichten überhaupt uner wünschten Wirkung und das dann auch eher wenig systematisch.

00:24:24: Und das haben wir auch.

00:24:25: in den zusätzlich identifizierten, randomisiert kontrollierten Studien war das zwar ein bisschen besser Aber in der Gesamtschau muss man sagen, dass Basierend auf der Evidenz die eben auch dann lückenhaft ist und nicht den Standards der evidenzbasierten Medizin entspricht wird keine Aussage zum Schaden beziehungsweise zu den unerwünschten Wirkungen treffen können.

00:24:47: Deshalb auch hier nicht nur nutzen unklar sondern auch schadenunklar.

00:24:52: Alles in allem bleibt damit obwohl es diesmal mehr Studien gab wieder nur das Urteil Unklar für Osteopathie gegen unspezifische Gräutschmerzen.

00:25:00: Ein wie immer etwas unbefriedigendes Urteil, weil man dann als Patientin und Patient nicht so recht weiß was man davon halten soll.

00:25:07: Das Ergebnis weist aber eben darauf hin dass es lange nicht ausreicht das es zu einer Maßnahme eine oder mehrere Studien gibt.

00:25:14: die müssen auch gut gemacht sein.

00:25:17: Das ist der Appell von Marion Dana und dem Igelmonitorteam.

00:25:21: Es braucht bessere Studien Am besten im Vergleich zur Therapie ansetzen die nachweislich helfen und daher von den Krankenkassen schon bezahlt werden.

00:25:30: Ja, ja.

00:25:30: Also umso wichtiger fände ich es ehrlich gesagt dass man wenn man weiter randomisiert kontrollierte Studien durchführt das man das dann auch wirklich im Vergleich zu den Maßnahmen macht die jetzt schon eine bestätigte Wirksamkeit haben und die auch in der GKV erstattet werden wie eben zum Beispiel die Physiotherapie oder Bewegungstherapien dass man das da mit vergleicht Und dann auch da eine Aussage treffen kann.

00:25:53: und dann wäre es eben auch ganz wichtig diese Studien waren sehr sehr heterogen, auch in der Umsetzung der Maßnahmen.

00:26:01: Man könnte versuchen das Ganze etwas stärker zu systematisieren und systematisch

00:26:06: auszuwerden.".

00:26:08: Solange das nicht gelingt wird es schwierig mit der Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

00:26:14: Patientinnen werden die Kosten von achtzig bis rund hundertfünfzig Euro pro Sitzung weiterhin selbst bezahlen müssen.

00:26:21: Die Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen kann man also nach diesem Wiederholtenergebnis weiterhin nicht empfehlen, aber auch nicht von ihr abraten.

00:26:29: Man kann es versuchen und bei dem einen oder anderen wirds vielleicht auch funktionieren.

00:26:35: Es ist ja jetzt auf der anderen Seite, man kann sagen okay wir konnten jetzt nicht den Nachweis erbringen dass es keinen Schaden bringt, aber wir konnten auch nicht den nachweis erbringen.

00:26:43: das ist schade.

00:26:43: Also von daher versuchen Kammern's und des Weiteren sollte man dann sehen was die weiteren Studien ergeben.

00:26:50: Und

00:27:01: damit sind wir am Ende dieser Folge.

00:27:03: Das war der Igel-Podcast, dem Podcast für eure Gesundheit, Selbstzahlerleistungen und evidenzbasierte Medizin.

00:27:10: Empfehlt uns bitte weiter, gebt uns Sterne wenn es euch gefallen hat und abonniert uns wo immer ihr auch Podcast hört!

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